Safari im Süden

Dienstag, 1. Februar 2011

Um ca 10 Uhr 30 starteten wir in Swakopmund und nahmen die Sandpiste Richtung Walvisbay. Diese Straße mündet, sofern man an der T-Kreuzung links abbiegt, in der Straße Richtung Kuiseb-Pass, die auch nach Windhoek führt. Nachdem man den Flughafen Walvisbay passiert hat, endet die gepflasterte Straße und die Schotterpiste beginnt.

Zunächst ist die Landschaft unheimlich öde und ich hatte schon die Befürchtung, dass sich der Ausblick nicht ändern wird. Trostlose Wüste, soweit das Auge reicht.

Ganz allmählich wird es grüner und grüner. Das Faszinierende daran ist , dass man es kaum merkt, denn sobald man um eine Kurve fährt oder über einen Hügel, bietet sich einem ein völlig neues Bild.

Wenn man den Kuisib-Pass erreicht, ändert sich auch die Straßenführung. Ein belebender Kontrast zur Sandstraße, die, wenn überhaupt, nur leichte Neigungen zu bieten hatte. Nun geht es auf und ab und die Kurven zwingen uns zu einer erheblichen Reduzierung des Tempos.

Endlich sehen wir auch Tiere: Eine (Bockfamilie) versammelt sich auf einem Hügel und beobachtet mehr oder weniger interessiert, wie wir sie fotographieren.

Es muss in letzter Zeit sehr viel geregnet haben, denn die Straße ist  sehr schlecht und an manchen Stellen sogar weggeschwemmt. Selbst am Wegesrand begegnen uns immer wieder Wasserlöcher – den Tieren wird es gefallen.

Auch manche Flußbette führen Wasser. Als wir den Kuiseb durchfuhren, lief erstaunlich viel Wasser, was der Fauna sehr gut zu tun scheint, denn es ist entlang der Flußbette wahnsinnig grün.

Allmählich tauchen in einiger Entfernung die charakteristisch roten Dünen der Namib auf. Soussus Vlei kann nicht mehr weit sein. Zuvor machen wir jedoch noch eine kurze Kaffeepause in Solitaire. Die Bäckerei mit ihren umfangreichen Angebot an Leckereien ist empfehlenswert. Der Kuchen dort ist einfach fantastisch. Mit kühlen Getränken kann man sich am Kiosk eindecken und man sollte auf gar keinen Fall versäumen, die mit Liebe aufgereihten Auto- und Treckerwracks zu bewundern, die in der Einfahrt zu Solitaire aufgereiht sind. Jetzt müssen wir noch ca. 70 km zurücklegen, um unser Tagesziel zu erreichen.

Endlich wissen wir, warum die Straßen so schlecht und überall Wasserlöcher sind: Es beginnt zu regnen bzw. zu schütten. Wir erreichen das Soussus Vlei Desert Camp, das wir eigentlich für diese Nacht gebucht haben. Einige von uns wollen Campen, andere wiederum in den Self-Catering Bungalows des Desert Camps übernachten. Der Regen und unser Hunger veranlassen uns jedoch dazu, eine Unterkunft mit Restaurant zu suchen. Das Wetter ist zum Grillen einfach nicht geeignet.

Wir haben uns bei Sense of Africa Free&Easy Gutscheine besorgt, mit denen man in bestimmten Hotels oder Lodges Zimmer frei haben, müssen sie diese gegen einen Gutschein vergeben. Wir dachten uns also, mal ganz nobel im “Le Mirage” abzusteigen, eine Lodge, die sich 21 km südlich des Eingangs zu Sossus Vlei befindet. Telefonisch wollten wir reservieren und die Dame, die das Telefonat im “Le Mirage” entgegen nahm, bestätigte, zwei Zimmer frei zu haben. Doch sobald die Free&Easy Gutscheine ins Spiel kamen, waren plötzlich alle Zimmer vergeben. Vorsicht also bei “Le Mirage”! Wir werden den Vorfall ohnehin melden!

Aber wir hatten Glück und kamen in der Soussus Vlei Desert Lodge unter, deren Zimmerpreise zwar nicht unbedingt unseren Vorstellungen entsprachen, die jedoch auch das Abendessen und das Frühstück umfassten, was uns letztendlich überzeugen konnte. Das Büffet bei Sonnenuntergang war hervorragend und auch wieder regenfrei, die Zimmer sind sehr schön, mit Terrasse, von der man bei einem Glas Wein einen wunderbaren Ausblick auf die Umgebung und das Wasserloch genießen kann.

Mittwoch, 2. Februar

Heute steht die Tour nach Soussus Vlei auf der Tagesordnung, die ich für mich leider canceln muss. Bin nachts um drei mit Bauchschmerzen und Übelkeit aufgewacht und konnte seitdem das Badezimmer nicht mehr so recht verlassen. Aber alle anderen fahren.

.. so berichte ich jetzt vom Sossusvlei ausflug….

Wir haben uns einen Frühstückskorb bestellt, den wir um 6 Uhr morgens abholen können, was zeitlich super ist, da das Tor zum Sossusvlei um 6h15 öffnet. Man soll auf jedenfall früh hinfahren, da es unheimlich heiss wird und es ab 11 Uhr kaum auszuhalten ist. Die Fahrt beträgt ca. 70 KM nach Deadvlei (Ziel) und dauert je nachdem bis zu 3 Stunden, wenn man auch die berühmte Dune 45 besteigen will.

Wir sind nach einer Stunde an Dune 45 angekommen und ich wartete unten am Auto, während die anderen hoch kletterten. Es ist nur zu empfehlen, weil der Blick von oben einfach gigantisch ist. Die verschiedenen Farben und der Blick über die Dünen sind einfach atemberaubend. Ich habe es schon vor einigen Jahre gemacht und musste nun auf meine Tochter aufpassen, daher war also nicht allzu traurig. Die anderen hatten ihren Spass und haben sehr davon geschwärmt aber “Es ist schon anstrengend!”

Gegen 9 Uhr sind alle wieder am Auto und wir können weiter fahren nach Deadvlei. 5KM vor dem Ziel gibt es ein Tor, wo nur Autos mit Allrad (4×4) weiterfahren durfen. Alle andere können ihre Autos parken und dann mit einem Landrover Shuttle weitergefahren werden. Es kostet N$100 pro person für die Hin- und Rückfahrt. Wir entscheiden uns auch für diese Option, weil ich die Reifen von unserem Auto nicht abpumpen will, denn anschließend müssten wir kilometerlang auf “platten” Reifen bis zur nächsten Tankstelle fahren, um sie wieder aufzupumpen.

Es war eine gute und lustige Entscheidung und wir hatten wirklich viel Spass hinten auf dem Landrover zu sitzen und alles anschauen. Meine Tochter fand es besonders lustig! Nach ca. 5 KM sind wir am Deadvlei und wieder warte ich mit meiner Tochter im Schatten eines riesigen Baums, während die anderen sich auf den Weg machen, um den Vlei zu begutachten. Die haben es leider nicht geschafft, weil sie die Wegbeschreibung nicht wirklich verstanden haben und  in der falsche Richtung gelaufen sind. Naja.. war auch lustig und die Landschaft ist einfach grandios  – egal, von wo aus man sie betrachtet. Einfach super!

Alle sind wieder zurückgekehrt und wir nehmen wieder einen Shuttle zurück zum Auto, wo unser Frühstückskorb auf uns wartet. Alles drin, was man braucht; verschiede Brote, Müsli, Joghurt, Milch, Kaffee, Saft, Käse, Schinken, Salami und alles mit echten Tellern und Besteck. Einfach klasse und es gibt keinen besseren Ort zum Brunchen.

Nach dem Essen packen wir alles wieder zusammen und machen uns auf den Weg zurück zur Lodge, wo “die Kranke” liegt und wartet.

Sossusvlei ist einfach schön und der Besuch ist nicht nur empfehlenswert , sondern eigentlich Pflicht!

Wir müssen heute wieder auschecken und haben beschlossen, für eine Nacht ins Soussus Vlei Desert Camp zu gehen. Krankheits- und wetterbedingt möchte heute keiner mehr das Zelt aufbauen.

Die Bungalows sind denen der Lodge sehr ähnlich, es ist nur alles etwas rustikaler. Die Regenwolken haben jetzt fast eine Stunde gebraucht, uns einzuzingeln, aber nun scheinen wir das Zentrum des Unwetters zu sein. Bin mal gespannt, ob die im zeltstil erbauten Bungalows – eigentlich sind nur die ersten 80 cm gemauert, darüber steht tatsächlich einfach ein großes Zelt – auch wasserdicht sind. Es donnert schon recht kräftig, der Gewitterwind ist aufgezogen und es kamen bereits soviele Tropfen von oben, dass wir uns nach drinnen bzw. ins Zelt verzogen haben.

Wir sind alle schon sehr gespannt auf morgen, denn dann geht es nach Wolvedanz. Endlich! Kann es kaum erwarten, will dort auch nicht krank sein.

3.Februar 2011

Endlich in Wolvedanz! Genieße den Ausblick vom Bett, während der Wind kräftig durch dei Dünen weht.

Der Weg hierhin war doch länger als erwartet. Sind zwar nur 80 km, aber die Straßen sind auf Grund des Regens ziemlich überflutet und man kann nicht allzu schnell fahren. Wir sind durch manche Flußläufe gefahren, bei denen ich mir nicht mehr ganz sicher war, ob wir es tatsächlich bis zum anderen Ufer schaffen würden.

Die letzten 20 km bis Wolvedanz werden umso beschwerlicher, da man an dieser Stelle von der Hauptstraße abfährt und der recht holprige Weg nur noch 30 bis 50 km/h zulässt. An manchen Stellen mögen es weitaus weniger sein. Inklusiv Fotoaufnahmen haben wir fast eine Stunde bis zur Lodge benötigt. Zumindest gab es endlich Zebras zu sehen!

Wolvedanz ist einfach atemberaubend! Alles spielt sich auf durch Stege verbundenen Ebenen ab. Die einzelnen Bereiche, wie Restaurant, Bar oder Pool, sind durch Holzstege verbunden. Eine ohrenbetäubende Ruhe umgibt uns.

Die Bungalows sind stilvoll eingerichtet und man achtet hier sehr auf Details, dies umfasst die Einrichtung als auch die Anornung der Handtücher bis zum Verschluss des Duschvorhangs. Und das Wichtigste: Alles ist ökologisch abgestimmt. Jeder Bungalow verfügt über seiner eigene, kleine Solaranlage und technische Geräte müssen bei Ladebedarf beim Lodgemanager abgegeben werden.

Es regnet – man kann es kaum glauben! Wir genießen den Blick vom Bett aus und träumen uns durch die Landschaft. Gibt es einen besseren Ort für einen erholsamen Mittagsschlaf?!

Nachmittags testen wir erst einmal den Pool. Es ist nach dem Regen immer noch sehr windig und wir entscheiden, dass der Pool bei diesem Wetter eindeutig zu kalt ist. Schade!

Abends werden wir um 18h30 zur Sundowner-Tour abgeholt. Jeder gibt seinen Getänkewunsch bekannt. Wir fahren langsam auf dem Landrover durch die Abendsonne, die sich allmählich hinter den Regenwolken hervorkämpft. Wir durften sogar einen Regenbogen bestaunen. Ben, unser Tourguide, hält an einem Camelthorntree (Kameldornbaum) und erklärt uns den Ursprung der Namensgebung: Die Früchte des Camelthorntrees sehen in einer bestimmten Zweierkonstellation aus wie ein Kamelhuf. So einfach ist die Geschichte!

Außerdem erklärt er uns die “Magic Circles”. Zwischen den Gräsern gibt es Kreise, die bislang aus ungeklärten gründen unbewachsen bleiben. Auch der Versuch, dort eine gesunde, entwickelte Pflanze anzusetzen, endeten mit ihrem Tod. Es wächst dort einfach nichts, außer diese kleinen “Büsche”, die zu bestimmten Zeiten in der Mitte des “Magic Circles” wachsen.

Die Magic Circles soll es in dieser Form nur an der Nordwest Küste Südafrikas, in Angola und hier in der Namib geben. Sie ergeben in der Tat ein fantastisches Landschaftsbild.

Am Zielort angelangt, begeben wir uns in Sundowner-Position. Die Sonne hat die Wolken inzwischen besiegen können. Ben baut einen Tisch auf und zaubert eine Tischdecke, einen Teller mit gesundem Finger-Food und die gewünschten Drinks samt Eiswürfel und Zitronen hervor. Perfekt! Die Sonne verschwindet eindrucksvoll, aber viel zu schnell! Dieses Event schreit förmlich nach einer Wiederholung.

Zurück in der Lodge werden wir bereits erwartet. Noch einen Aperitif am Feuer, dann geht es zum Dinner. Alles ist vorbereitet und wir genießen unser Abendessen in dieser faszinierenden Stimmung: Die gesamte Lodge ist durch Öllampen und Fackeln stimmungsvoll erhellt und als einziger Lichtpunkt in der Dunkelheit der Wüste gehüllt. Wir versuchen Nachtaufnahmen mit unserer neuen Fotokamera, aber sind dabei weniger erfolgreich. Offensichtlich sollten wir einfach doch mal einen Blick in die Bedienungsanleitung werfen.

4. Februar 2011

Die Nacht in unserem Himmelbett war sehr gemütlich und der Ausblick in den Sternenhimmel tat das Seine dazu. Es ist einfach purer Luxus, in dieser Ruhe aufzuwachen. Vor der Tür überrascht uns ein liebevoll angerichtetes Tablett mit heißem Wasser, Kaffeepulver, einem Kaffeebereiter mit Sieb (zum herunterdrücken), Tassen, einer Dose mit Keksen und was man sonst so zum Kaffee braucht. Herrlich!

Nach einem entspannten Kaffee auf hauseigener Terrasse begaben wir uns in die Lodge. Ein nett angerichtetes Frühstücksbuffet und Nujoma erwarteten uns dort. Allzu viele Mitarbeiter scheinen hier nicht zu sein, denn als ich während des Frühstücks den Akku meinr Kamera bat aufzuladen, schien ich ziemliche Aufregung und Hektik verbreitet zu haben. Wir genossen also Frühstück No. 2 und warten nun auf Ben, der uns wieder zu einer Landrover Tour abholt. Der Kameraakku zeigt einen nur unwesentlich höheren Ladestand. Hoffentlich reicht es!

Die Tour war auch wieder Sahnetorte für’s Auge: Ben zeigte uns den Süden von Namib Rand und auch in dieser relativ kurzen Zeit tauchten immer wieder neue Landschaftsbilder auf. Wir sahen Oryx und Springböcke – davon jedoch jede Menge. Aber das wirklich Interessante waren die “Kleinigkeiten”, die Ben uns zeigte.

Er zeigte uns die “Tok Tokkie” Käfer, die eigentlich schwarz sind und nur aufgrund der Kalkablagerungen zu ihrer graumelierten Farbe gelangen. Sie laufen in der Regel als Pärchen durch die Landschaft, wobei das Weibchen größer ist als das Männchen und es sogar bei heftigeren Steigungen trägt. Unglaublich! An dieser Stelle wurde klargestellt, dass wir uns das Tierreich – zumindest dieses konkrete Beispiel – nicht zum Vorbild nehmen.

Anschließend zeigt uns Ben noch eine Eule, die etwas schläfrig im Baum saß, und ein Chamäleon, wobei wir uns fragten, wir er das überhaupt erkennen konnte. Das Chamäleon lief brav auf Bens Arm und betrachtete uns misstrauisch mit seinen wachsamen Augen, die es unabhängig voneinander einsetzen kann, d.h., das Chamäleon kann mit einem Auge nach vorn und mit dem anderen nach hinten schauen, wenn ihm danach zumute ist. Was für eine klevere Einrichtung! Ben kann das wahrscheinlich auch, denn ansonsten wäre es kaum möglich, all diese Dinge beim Autofahren zu entdecken.

Nach gut vier Stunden waren wir wieder in der Lodge und zogen sehr hungrig zum Mittagessen. Jetzt genießen wir wieder die Mittagsruhe in unseren Bungalows. Alle – außer mir – tun dies schlauerweise schlafend. Habe Angst, hier etwas zu versäumen, denn schon morgen müssen wir unseren traumhaft schönen Mikrokosmos wieder verlassen.

Die Wolken haben sich inzwischen wieder über uns zusammen gezogen und es regnet heftig. Eigentlich wollte ich heute endlich mal die Vorzüge des Pools nutzen, was jedoch aufgrund der Wetterlage nun nicht mehr so verlockend erscheint, wie es noch vor einigen Stunden der Fall war. Es regnet nicht nur, sondern es ist auch windig und kalt. Wir müssen die Zeltwände unseres Bungalows schließen, da es reinregnet. Es nervt! Den Nachmittag hätte ich mir anders vorgestellt! Leider bietet sich keine Alterntive. Eine Massage beispielsweise wäre ja auch sehr nett (sie wird als Zusatzservice von der Lodge angeboten), aber bei wem sollte ich mich informieren? Es lässt sich kein Mensch blicken und Telefon oder Funk gibt es nicht. Den Alarm auszulösen wäre wohl etwas übertrieben, oder?

Sundowner Zeit und es regnet – nein, es gießt – in Strömen. Hier sitzen wir immer noch in unerer feudalen Unterkunft mitten in der Wüste fest und fragen uns, wie es denn wohl weitergehen wird. Seltsamerweise kümmert sich kein Mensch um uns: Wir hängen hier ohne Getränke, ohne Essen und vor allem ohne Regenschirm. Bis zur Lodge würde man es nicht unbeschadet überstehen. Es ist uns ein Rätsel – und das zu dem Preis!

Jetzt sind zwei Mitarbeiter mit Landrover hier eingetroffen. Die wollen aber nicht wissen, wie es uns geht, sondern lediglich unser Türschloss reparieren. Nicht zu fassen!!!

Wir sind inzwischen nicht nur verärgert, sondern auch ziemlich hungrig und entschließen uns nun, den Weg durch den Regen auf uns zu nehmen. Wäre alles nicht so schlimm, nur für einige Hundert Euro pro Nacht erwartet man einfach etwas anderes. Sonst hätten wir auch für wenig Geld campen können!

Bin echt gespannt, was die Mitarbeiter uns erzählen werden. Die Tür ist zumindest repariert….. Wobei mir die Tür eigentlich ziemlich egal war!

Als wir vom Regen durchnässt in der Lodge ankamen, schienen die Mitarbeiter eher genervt zu sein. Sie erweckten den Eindruck, als seien sie sehr froh gewesen, hre Ruhe gehabt zu haben und hatten nicht damit gerechnet, dass sich doch jemand heraus in den Regen wagt, um sie zu belästigen. Es machte sich jedoch niemand große Mühe, uns in irgendeiner Form aufzuheitern oder einfach ein Handtuch zu reichen.

Beim Abendessen machte man sich endlich die lang ersehnte Mühe, uns den Regentag mit etwas Entertainment zu versüßen: Die zu erwarteten Speisen wurden uns sowohl auf Englisch als auch auf Nama, eine der hiesigen Landessprachen präsentiert. Man merkt sicherlich an meinem inzwischen sehr sarkastischen Unterton, den ich auch nur schwer verbergen kann, dass mich dieser Versuch nicht versöhnlicher stimmte.

Das Wetter brachte jedoch mit sich, dass man sich auch mit anderen Gästen unterhielt. Aber derlei Aktivitäten sind schließlich grundsätzlich im Preis inbegriffen.

Den Rest des Abends verbrachten wir an der Bar – die Alternativen waren wiederum nicht groß. Wieder schien man eher von unserer Anwesenheit genervt zu sein, denn wir und vier andere Gäste, die heute neu angekommen waren, hielten den Barchef bis kurz vor Mittagnacht von seiner Nachtruhe ab. Nach einigen Drinks fanden wir es dann auch recht amüsant, den Weg durch den Regen und insbesondere durch den derweil verschlammten Sand zu Fuß anzutreten. Ich betone an dieser Stelle noch einmal: Wäre ich auf einem Campingplatz, hätte ich damit kein Problem, denn das was ich buche, bezahle und erhalte bzw. erwarte ich dann auch.

Wir nehmen noch einen letzten Drink auf dem überdachten Teil unserer Terrasse. Irgendwann marschieren auch die anderen vier Gäste nach guter Trinklaune in ihren Regenjacken an uns vorbei.

5. Februar 2011

Abreisetag… Als ich die Augen aufschlug, war es unmöglich, die Uhrzeit anhand des Sonnenstands zu ermitteln. Die versteckte sich nach wie vor hinter der Wolkenwand. Es war einfach nur grau.

Der Kaffee steht auch diesmal wieder vor der Tür, aber das Ambiente feht. Also trinken wir schnell einen Kaffee und begeben uns rüber in die Lodge zum Frühstück.

Die Frau, mit der wir uns gestern unterhalten haben, sitzt bei uns am Tisch und wir kommen wieder ins Gespräch. Sie bestätigt meinen Eindruck von der Lodge und erzählte, dass sie froh gewesen sei, als andere Gäste auftauchten , nachdem sie die ersten zwei Tage der einzige Gast war, denn sie hatte auch das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Es wurden nicht einmal alle Räume der Lodge, wie Bar oder Bibliothek geöffnet, als sie allein hier war. Sie erzählte, das sie die ersten zwei Tage in der Honey-Moon Suite untergebracht worden sei. Sie ging davon aus, dass der Bungalow diesen Zweck erfüllt, da er mit allem ausgestattet sei, was man eigentlich erwartet ind womit auch geworben wird.

Wir packen jetzt und sollen um 10h30 abgeholt werden. Unser Fazit zu Wolvedans: Es entsprach in keinster Weise unseren Erwartungen. Die Umgebung und die Anlage sind traumhaft, aber der Service und die Zusatzleistungen, sprich die Aktivitäten, sind äußerst Verbesserungswürdig. Man muss sich stets vor Augen führen, dass der reguläre Preis pro Übernachtung und Person rund 400 Euro beträgt.

Sechseinhalb Stunden bis Lüderitz, d.h., sechs Stunden im Auto. Eine Halbe Stunde haben wir in Helmeringhausen pausiert. Es hat unentwegt geregnet und die Sandstraßen fühlten sich stellenweise an wie eine Eisbahn und man konnte nicht schneller als 20 oder 30 km/h fahren.
Irgendwann nervt der Regen auch einfach und man kann das Grau drumherum nicht mehr ertragen.

Ich hätte niemals gdacht, mich so sehr darüber freuen zu können, in Lüderitz anzukommen. Kurz nach sechs durchfuhren wir die Pforten der Stadt.

Wir beeilten uns, um Lüderitz noch bei Tageslicht zu besichtigen und Fotos zu machen. Lüderitz besticht durch seine außergewöhnliche Mischung aus morbidem Charme und romantischem Fischerdorf. Nach spätestens zwei Stunden hat man eigentich alles gesehen und der interessante Teil hat ohnehin geschlossen. Es ist Samstag Abend. Alle Spielkasinos – wir kennen sie auch als “Spielotheken” – machen einen gut gefüllten und sehr belebt Eindruck. Wir wollen trotzdem nicht hinein.

6. Februar 2011

Haben gerade gefühstückt und müssen nun unsere Sachen wieder packen, um gleich nach Kolmanskop zu fahren. Es ist unglaublich: In Lüderitz scheint die Sonne und der Wind hält sich wirklich zurück. Es ist schön hier. Schade, dass es kein Café in der Stadt gibt, in dem wir gemütlich hätten frühsttücken können. Man ist an Wochenenden leider zu sehr auf das Hotel angewiesen.

Befinden uns nun auf dem Weg nach Ai-Ais. Kolmaskop, das wir uns diesmal zum zweiten Mal angesehen haben, ist und bleibt eines der beeindruckensten Kulturerben der namibischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Man kann sich nur wundern, was Menschen alles in Bewegung setzen können und konnten, um sich materiell zu bereichern – in diesem Fall taten sie es mit Diamanten.

Beim letzten Besuch nahmen wir an einer Führung mit einem englischsprachigen Guide teil. Er konnte uns das Leben der Menchen in Kolmanskop und die Motivation, die hinter der Erbauung einer Stadt mitten in der Wüste stand, sehr lebendig beschreiben. Diesmal folgten wir einer Führung unter Leitung eines deutschspachigen, älteren Herren. Die Darstellung der Geschichte war sehr informativ, jedoch für unseren Geschmack zu sehr unter dem Einfluss des deutschen Blickwinkels.

Haben gerade in Klein-Aus angehalten, um uns nach den Straßenverhältnissen  zu erkundigen. Der schnellste Weg, die Teertraße nach Rosh Pinah, ist nach wie vor gesperrt, da sowohl der Oranje als auch der Fishriver herunter gekommen sind. Besonders der Oranje ist weit über die Ufer getreten und hat einiges weggespült. Da wir mit einem 4×4 Vehikel unterwegs sind, können wir aber die Sandstraße nehmen, die bei Seeheim abgeht und entlang des Fishriver-Canyons nach Ai-Ais führt. Dennoch bedeutet dies nur halbes Glück, denn der Weg über Seeheim ist locker doppelt so weit. Aber immerhin müssen wir nicht über Grünau fahren!

In Aus tanken wir noch einmal voll. Das scheinen allerdings alle zu tun, denn die Tankstelle ist mit jenen überfüllt, die vor uns Klein-Aus verlassen haben Aber egal – heute haben wir Zeit! Sollten einfach nur so zeitig in Ai-Ais ankommen, dass wir unser Zelt noch vor Sonnenuntergang aufbauen können. Natürlich vorausgesetzt, dass die Sonne scheint und es hoffentlich, hoffentlich nicht regnet.

Glücklicherweise legten wir noch eine Pause in Seeheim ein, denn der Besitzer der Lodge wusste, dass die Straße nach Ai-Ais gesperrt war und nannte uns eine nur 10 km längere Umgehung. Der Damm war zu voll und musste abgelassen werden, daher wurde das Flußbett, das auch über die Straße führte, geflutet. Unser Umweg führte über der Damm und wir wurden Zeugen der Wassermassen, die dort entlassen wurden.

Der Weg nach Ai-Ais zog sich, da die Straßenverhältnisse immer noch nicht gut, aber wahrscheinlich besser als gestern waren. Irgendwann nach acht erreichten wir endlich unser Ziel. Wir mussten uns beeilen, ins Restaurant zu kommen, da die Küche um 9h schließen sollte. Das bedeutete für uns, unser Zelt im Dunkeln aufzubauen. Doch ob jetzt oder später machte keinen Unterschied: Es war bereits dunkel.

7. Februar 2011

Wir lümmeln uns am Pool in Ai-Ais. Das Thermalwasser ist kochendheiß und ich brauchte schon eine Weile, um mich langsam an die Temperatur zu gewöhnen. Wenn man wieder heraus kommt, friert man tatsächlich, obwohl die Außentemeratur in der Sonne garantiert auch die 40° Grenze erreicht. Der Fishriver fließt in bedrohlich Mengen unweit unseres Zeltes vorbei. Als wir im vergangenen Jahr hier waren, war der Fishriver nur ein ausgetrocknetes Flußbett, jetzt ist es ein reißender, brauner Fluß.

Ai-Ais hat zurzeit so wenig Gäste, dass sie nicht einmal den Kiosk am Pool öffnen. Wenn man Getränke möchte, muss man eine gefühlt unendliche Strecke in der senkenden Sonne zurücklegen. Die Mitarbeiter hier sind alle sehr, sehr freundlich und hilfsbereit, daher regt sich auch niemand über den geschlossenen Kiosk auf.

Ai-Ais bietet ein wunderbares Ambiente. Von den Bergen des Fishriver Canyons eingehüllt, kann man die Ruhe dieser Oase genießen.

Nachmittag. Wir sind an unserem Zelt, als zwei NWR Mitarbeiter zu uns kommen und uns mitteilen, dass die Gefahr bestehe, dass der Fishriver über die Mauer treten könne. Der Hardap-Damm sei geöffnet worden und es  bestehe die Möglichkeit, dass die Schleusen des  …… Damm auch geöffnet werden müssen. Jedenfalls wird der Fishriver weiter steigen und es sei sicherer, unser Zelt an einem höher gelegeneren Ort des Campingplatzes aufzubauen. Na super! Wir nehmen die Warnung ernst und  beschließen nach kurzer Krisenkonferenz, alles abzubauen und uns ein Zimmer zu nehmen. Wir haben echt keine Lust, den ganzen Scheiß zusammenzupacken, an anderer Stelle wieder auszupacken und dennoch dem Risiko ausgesetzt zu sein, dass es regnet. Ein nasses Zelt werden wir morgen früh nicht abbauen und einpacken wollen!

Sind jetzt in ein Zimmer der Kategorie B (die günstigeren Zimmer) umgezogen. Die Mitarbeiter waren so nett, uns die Campinggebühren, die wir bereits bezahlt haben, gutzuschreiben und auf das Zimmer anzurechnen.

Ich mag die Zimmer nicht so sehr, da sie sehr dunkel sind. Der Schlafbereich liegt fensterlos in der Mitte des langgestreckten Appartements und die Klimaanlage rauscht exakt über unseren Kopfkissen. Unser Zelt war durchaus luxuriöser, aber dafür haben wir jetz unser eigenes Badezimmer.

Als wir beim Abendessen draußen saßen, fühlte man die ersten Regentropfen auf der Haut. Ich freue mich heute Nacht über Regen. Wir sollten unser Zelt nicht umsonst abgebaut haben!

8. Februar 2011

Es hat natürlich nicht wirklich geregnet und der Fishriver läuft nach wie vor brav innerhalb seiner Bahnen. Naja, hätten wir die Warnungen ignoriert, hätte es auch anders kommen können.

Beim Frühstück durften wir dann doch noch Zeugen eines besonders spektakulären Vorfalls werden. Unsere Tochter zeigte sehr enthusiastisch auf etwas, was sich hinter unserem Rücken abspielte. Sie kommentierte dies mit einem freudigen “Da! Da!”. Ich ging davon aus, dass es sich um etwas in meinen Augen belangloses handelte, und kümmerte mich um mein Frühstück. Als jedoch ihre Freude immer euphorischer wurde, bemühte ich mich doch einmal, mich umzuschauen. Siehe da, ein Skorpion spazierte zielstrebig auf uns zu. Er war vielleicht noch zwei, drei Meter von uns entfernt und schien nicht die Absicht zu haben, eine andere Richtung einzuschlagen. Wir hatte zumindest genügend Zeit, das Kind zu evakuieren und ich konnte noch den Fotoapparat holen. Eine turbulente Unterhaltungseinlage!

Haben den direkten Weg nach Grünau genommen, kurz dort angehalten und fotographiert. Viel gibt es nicht zu sehen: Eine Tankstlle, ein Hotel mit Restaurant und den Bahnhof.

Sind jetzt auf dem Weg nach Keetmanshop, wo wir uns etwas länger aufhalten werden.

Der Kalahari Highway ist auf dieser Strecke sehr monoton, die Sraße führt endlos geradeaus und vermittelt am Horizont den Eindruck, im Nichts zu enden. Der Vorteil besteht einzig darin, dass wir schneller voran kommen. Nach den Tagen auf den regendurchtränkten Sandpisten weiß man das zu schätzen. Wir fahren Richtung Norden und es beginnt wieder zu regnen.

In Keetmanshop angekommen, suchten wir erst einmal ein Café. Die Stadt bietet ein völlig anderes Bild als andere Städte Namibias, die wir bislang gesehen haben – viele Menschen hier sind sehr, sehr arm. Die Armut einer Stadt manifestiert sich vor allem darin, dass man direkt von Horden an Kindern angebettelt wird, obald man in die Stadt hinein fährt.

Wir sahen uns natürlich die “Kaiserliche Post” und die alte Kirche an, beides aus Naturstein erbaute Gebäude aus der Kolonialzeit. Wohl auch die beiden Einzigen, die noch existieren.

Unsere nächste Station sollte der Köcherbaumwald sein, der nur wenige Kilometer von Keetmanshop entfernt liegt. Auf der gesamten Strecke habe ich verzweifelt versucht, Köcherbäume zu fotographieren, wenn man einer in weiter Entfernung am Horizont erschien. Hier gibt es endlos viele und sie ergeben in der Tat ein faszinierendes Bild.

Wenn man schon einmal dort ist, sollte man keinesfalls den “Giants Playground “ verpassen. Hier trifft man auf eine Ansammlung von Steinmonumenten, die sich aus unterschiedlich großem Felsgeröll zusammensetzen. Das Bild lässt vermuten, dass ein Gott unter großer Langeweile litt und, wie es Kinder mit Legos tun, mit den Riesensteinen verschiedene Bauwerke erschuf.

Auf unserer Weiterfahrt machten wir einen großen Fehler: Wir dachten, wir könnten abkürzen. Um nicht den Weg zurückfahren zu müssen, wählten wir eine D-Straße, die uns zurück zur B1 bringen sollte. Der Weg führte uns an weit abgelegenen Farmen und Dörfern vorbei, wo ansonsten wohl kaum ein Tourist herfindet. Wir wurden mit einer anderen Welt konfrontiert, in der sich die Menschen noch mit Eselkarren fortbewegen. Wir mussten feststellen, dass die Umgebung von Keetmanshop noch wesentlich ärmer ist.

Nach gut zwei Stunden durch Flüsse und über matschige Felder erreichten wir die Haupststraße.  Wir sind noch nicht allzu weit von Keetmanshop entfernt.

Gegen acht erreichen wir endlich die Anib Lodge. Es ist bereits dunkel und die Lodge befindet sich nochmal gut 30km von Marienthal entfernt. Die Betreiber und Mitarbeiter der Lodge sind super freundlich und trotz der Dunkelheit lässt sich erahnen, dass die Umgebung sehr schön ist und es hier sehr gemütlich sein muss. Um 20h30 gibt es Essen, daher müssen wir uns beeilen.

Die Zimmer sind sehr schön eingerichtet und verfügen über den notwendigen Komfort. Wir haben netterweise das Familienappartment bekommen, das über ein Bad mit einer großen, dreieckigen Badewanne verfügt.

Das Essen bestand aus einem vier Gänge Menü und war wirklich köstlich. Jetzt testen wir die Badewanne!

9. Februar 2011

Sitzen aufgrund eines Stromausfalls in Anib fest. Besser gesagt, man hat uns gebeten, eine Weile zu warten, da der Strom ausgefallen ist und sie ein Notstromagregat besorgen müssen. Ohne Strom können wir nicht zahlen – das sind die Gesetze der Plastikwelt. Aber egal, dann testen wir eben noch den Pool!

Strom ist zurück, wir können zahlen und losfahren. Wollen zuerst einen Zwischenstop am Hardap-Staudamm einlegen um zu sehen, wie hoch das Wasser steht.

Ich war echt überrascht, als ich den Stausee gesehen habe. Da ich bereits einmal dort war, habe ich den Vergleich. Beim letzten Mal habe ich einen idyllischen, blauen See gesehen, diesmal bietet sich mir ein brauner, sehr gut gefüllter Stausee. Braun deshalb, weil die ganzen Flüsse hier münden und ihren Sand mitbringen. Die Schleusen lassen munter Wasser ab. Zwischen Staumauer und Wasser ist nicht mehr allzu viel Platz. Jetzt realisieren wir, warum wir vorgestern unser Zelt abbauen mussten.

Wir haben schon überlegt, über Maltahöhe zurück nach Swakopmund zu fahren, da es kilometermäßig kürzer ist. Die Straße nach Maltahöhe ist seit heute auch gesperrt.

Sind unglaublich gut durchgekommen und haben die Vorteile der Teerstraße genutzt. Bis Okahandja sind wir durchgefahren und haben dort unsere Pause eingelegt. Essen, Trinken, Toilette, Tanken und ein Besuch des Tourimarktes. Die armen Verkäufer haben sich auf uns gestürzt, da wir die einzigen, potentiellen Käufer weit und breit waren. Alle 27 Verkäufer wollten uns zeitgleich davon überzeugen, dass ihr Stand der beste und günstigte sei. Man kann die Leute auch verstehen. Sie leben davon und zurzeit sind kaum Touristen hier, dennoch können wir leider nicht jedem etwas abkaufen. Mit jeder Menge sinnlosem, aber durchaus dekorativem Zeug verlassen wir Okahandja.

Fahren nun durch Karibi. Die Straßen sind wie ausgestorben, denn es regnet mal wieder. Haben gute Chancen, dass unser Auto etwas sauberer wird…

Endlich! Sind an Usakos vorbei und befinden uns nun auf dem letzten Streckenabschnitt nach Swakopmund. Es regnet nicht mehr und zu unserer Rechten durfen wir die eindrucksvollen Felsformationen von Spitzkoppe bewundern. Der letzte Streckenabschnitt unserer Reise scheint problemlos zu verlaufen und wir freuen uns nach mehr als zweieinhalb Tausend Kilometer im Auto auf ein paar entspannte Tage in Swakopmund, wo wir uns zu Fuß von Punkt A nach Punkt B bewegen werden.

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