Tagesausflug zum Brandberg

Von Swakopmund aus starteten wir mehrere Tagesausflüge in der Umgebung. Heute wollen wir zum Brandberg fahren, um dort die “Weiße Frau” zu sehen. Unser Weg dorthin führt uns zunächst nach Henties Bay. Die Salzstraße, die die Küste entlang führt, ist nach dem Regen mit Spurrillen übersät, aber glücklicherweise ist es heute trocken.

Wir passieren die Angelstellen an Mile 14 und kommen an Vlotzkasbaken vorbei, einer stromfreien Gemeinde, die vorwiegend als Feriendomizil genutzt wird. Die Häuser stehen in einer beeindruckenden Unordnung zueinander und das Einzige, das allen gemein ist, ist der Wassertank, der die Wasserversorgung eines jeden Hauses sichert. Außerdem scheint jeder Eigentümer eine andere Lieblingsfarbe zu haben und einige Farbarrangements sind wirklich gewagt.

Einige Kilometer hinter Vlotzkasbaken entdeckt man unnah der Straße das eines der havarierten Schiffe. Auf dem Weg von Swakopmund in Richtung Skelettküste befinden sich einige dieser Schiffsleichen. Das Meer hier ist tückisch.

Nach ca. 70 km erreichen wir Henties Bay und somit die letzte Möglichkeit, noch etwas einzukaufen, bevor unsere Route auf die C34 führt. Henties Bay ist sehr afrikaans und man spürt dort förmlich die Provinz.

Jetzt befinden wir uns auf der Sandpiste Richtung Uis. Die Wüste bringt hier soweit das Auge reicht viele kleine, grüne Sandhügel hervor – der Regen hat auch hier seine Pflicht getan! Abgesehen von unauffälligen Steigungen oder Senkungen führt die Piste kompromisslos geradeaus, begleitet durch die Telefonleitungen.

In der Wüste kann man stellenweise so weit blicken, dass am Horizont Seen erscheinen. Eine Fatamogana! Ich versuche, diesen Trick der Natur digital festzuhalten, habe jedoch jetzt bereits Zweifel am Ergebnis. Bin sehr gespannt!

Die Landschaft ändert ihr Outfit: größere, schwarz panierte Dünen prägen nun das Bild. Die Straße kennt inzwischen auch vereinzelt Kurven.

Zu unserer Linken taucht schemenhaft und in Wolken gehüllt der Brandberg auf. Das ist auch eineoptische Täuschung der Wüste: Dinge scheinen zum Greifen nah und sind doch so weit entfernt. Ich schätze, es wird noch eine Weile dauern, bis wir tatsächich den Brandberg erreichen werden.

Entlang der Straße tauchen immer mehr riesige Wasserlachen auf. Auch hier muss es heftigst geregnet haben.

Der Brandberg, der mit seinen 2580m der höchste Berg Namibias ist, dominiert nun zweifelsohne das Landschaftsbild. Wir durchfahren die hügelige Landschaft, die den Brandberg umgibt. Die Straßenverhältnisse werden schlechter, wir müssen einige Flußbetten durchfahren. Blechhütten zieren den Vordergrund der Touristenattraktion. Die Menschen, die hier leben, sind sehr arm und versuchen durch den Verkauf von Steinen (Mineralien) ihren Lebensstandard aufzubessern bzw. einfach zu überleben.

Ca. 10 km nachdem sich die Straße in die Richtungen Uis und Khorixas geteilt hat, geht zur Linken die D-Straße ab, die zum Brandberg führt. Die Abzweigung ist sehr gut gekennzeichnet und man kann sie eigentlich nicht verpassen.

Die 21 km lange Sandpiste führt geradewegs auf den Brandberg zu. Imposant baut sich das Bergmassiv vor unseren Augen auf und gewinnt stetig an Größe. Dunkele Regenwolken schweben unmittelbar über den Gipfeln, an manchen Stellen scheinen die Wolken die Gipfel zu berühren. Ein Strauß begleitet und ein Stück des Weges und blickt unserem Auto anschließend verständnislos hinterher.

Endlich da! Ich öffne die Autotür und mir schlägt eine glühende Hitze entgegen. Hier möchte man nicht allzu lang in der Sonne verharren.

Wir haben die “White Lady” gesehen! Wie enttäuschend, denn eigentlich stellt die Zeichnung einen Mann dar, was durch eindeutige Hinweise belegt wird. Ich konnte auch nicht erkennen, wie man überhaupt auf die Idee kam, dass es sich um eine Frau handele und dazu noch um ein weiße. Nur weil die Umrisse weiß gezeichnet sind?

Die letzten zweieinhalb Kilometer bis zur “White Lady” mussten wir zu Fuß zurück legen. Der Weg führte durch die Schlucht entlang des Flussbetts. Die Sonne brannte gnadenlos, auch der heiße Wind versprach keine Abkühlung. Es war höllisch heiß! Arthur, unser Tourguide, erzählte, dass es dort in diesem Jahr noch nicht geregnet habe. Seltsam! Überall im Land hat es im Übermaß gregnet und selbst jetzt, auf der Rückfahrt nach Uis, ist es bewölkt und man sieht am Horizont, dass es regnet. Eine kleine Abkühlung würde jetzt hervorragend passen! Wir sind immer noch völlig durchgeschwitzt.

Der Fußweg zur “Weißen Frau” ist nicht einfach. Abgesehen von er Hitze, wodurch man unterwegs sehr viel trinken muss, ist der Weg stellenweise sehr uneben und führt später über Steine und Felsen. Festes Schuhwerk, gesunde Gelenke und eine relativ gute Kondition sind schon Voraussetzung für diesen Marsch. Kleine Kinder oder Babys sollte man keinesfalls mitbringen, denn für sie ist e um diese Jahreszeit einfach zu heiß.

Wir haben beschlossen, den Rückweg über Spitzkoppe nach Swakopmund zu wählen. Jetzt fahren wir erst einmal nach Uis, um zu tanken und Getränke zu besorgen. Auch hier muss es geregnet haben! Die Straße, die auf der Hinfahrt noch trocken war, ist nun nass.

Als wir in Uis tankten, sind wir von sogenannten “Edelsteinverkäufern” attackiert worden. Zum ersten Mal bin ich hier echt sauer geworden, denn diese Leute waren absolut unverschämt. Sogar die Frau, die unser Auto betankte, musste über die Preisvorstellung der drei Kerle lachen. Die Drei waren trotz der Aufforderung, von der Tankstelle zu verschwinden, weiterhin penetrant und unserer Fahrer wurde weich und gab ihnen 100 Dollar für vier unscheinbare, kleine Steine. So etwas Dreistes und Freches habe ich hier in Namibia noch nicht erlebt!

In der Lodge in Uis tranken wir endlich unser heiß ersehntes kühles Bier und begaben und anschließend auf die Weiterfahrt nach Spitzkoppe.

Wir müssen umkehren, denn die D-Straße nach Usakos ist gesperrt. Nun müssen wir leider den gleichen Weg zurück fahren, den wir gekommen sind. Schade! Der Weg über Spitzkoppe wäre eine nette Abwechselung gewesen.

Unser Weg erweist sich doch als durchaus abwechselungsreich, denn es muss hier in Strömen gegossen haben. Unzählige Rinnsale und Bäche durchlaufen die Straße, die heute Mittag noch nicht vorhanden waren. An manchen Stellen haben sich gar kleine Seen gebildet. Faszinierend!

Noch 20 km bis Hentiesbaai und die Küste scheint wieder Wolkenfrei zu sein. Auch auf der Straße befindet sich nichts mehr, was an Regen erinnern könnte. Es scheint hier tatsächlich den ganzen Tag nicht geregnet zu haben.

Irrtum! Nach einem kurzen, sonnigen Abschnitt müssen wir feststellen, dass die Küste in Nebel gehüllt ist. Es wird düster, kalt und windig – keine Spur von Sundowner Wetter, womit ich vor ein paar Minuten noch fest gerechnet habe.

Auf dem Rückweg von Hentiesbaai nach Swakopmund fallen mir wieder die Kreuze auf, die in regelmäßigen Abständen den Wegesrand zieren. Diese Kreuze stehen in Gedenken an jene, die an diesen Stellen durch Verkehrsunfälle ums Leben gekommen sind. Wir sprechen hier schon von einigen Kreuzen und wahrscheinlich wurde nicht für jedes Verkehrsopfer ein Kreuz aufgestellt. Die Kreuze sind jedoch nicht nur Denkmal sondern auch Mahnmal und dementsprechend als Aufforderung zu einer moderaten Fahrweise zu verstehen.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.