Etosha

Tag 1:
Es ist endlich so weit. Wir haben unseren Toyota Hilux gestern Abend bekommen und packen unser Gepäck auf die scheinbar unendlich große Ladefläche. Eigentlich wollten wir um halb fünf aufstehen, um bei Sonnenaufgang loszukommen. Doch wie immer dauert alles länger als geplant. Auch die Ladefläche verfügt nach den ersten Gepäckstücken nicht mehr über das Ausmaß, mit dem wir kalkulierten. Es wird eng!

Gut eine Stunde später als geplant verlassen wir endlich Swakopmund in Richtung Hentiesbay. Die Morgendämmerung umschließt die parallel zum Meer verlaufende Landstraße, die um diese Tageszeit einsam durch die Wüste verläuft.

Hentiesbay ist zu dieser frühen Morgenstunde bereits sehr belebt. Wir haben unsere letzten Einkäufe für die Fahrt erledigt und nun geht es weiter Richtung Etosha. Wir beeilen uns, da wir noch heute dort ankommen möchten und nicht wissen, wie die Straßenverhältnissen sein werden. Es hat viel geregnet und wir müssen damit rechnen, dass die Fahrt nicht reibungslos verlaufen wird.

Wir sind nun auf der Sandstraße in Richtung Uis unterwegs. Der Regen hat der Straße in letzter Zeit wohl übel mitgespielt, denn zum Teil ist sie komplett weggespült. Zum schnellen Fahren laden die Straßenverhältnisse keinesfalls ein!

Uis haben wir inzwischen hinter uns gelassen und sind weiter in Richtung Khorixas unterwegs. Die Straße wird immer schlimmer, glücklicherweise regnet es nicht. Wir mussten ein Flussbett durchqueren, was sich absolut abenteuerlich gestaltete. Ein herkömmlicher PKW hätte dieses Hindernis mit Sicherheit nicht bewältigt. Hatte selbst in unserem Fall stellenweise berechtigte Zweifel und sah uns schon Stunden später immer noch auf Hilfe wartend dort ausharren. Alptraum! Doch unser Fahrer behielt die Nerven und manövrierte uns geschickt durch das glitschige, unebene Flussbett und wieder den steilen, holprigen Anstieg aus der Senke hinaus. Erleichterung!

Nach unendlichen Stunden befinden wir uns endlich wieder auf einer Asphaltstraße. Der Himmel hat seine Schleusen geöffnet – es schüttet, so dass man kaum die Straße sehen kann. Wir dachten, dass wir schneller voran kommen, sobald wir uns wieder auf festem Untergrund befinden. Wir haben uns offensichtlich geirrt!

Völlig abgekämpft erreichten wir das Tor zum Nationalpark. Wir konnten es kaum fassen. Schon nach den ersten Meter befanden wir uns in einer Horde Giraffen. Ein faszinierendes Schauspiel! Das Durchqueren des Parkeingangs schien wie der Zutritt in eine andere Welt zu sein. Wir sind jedenfalls vor, Etosha noch vor Sonnenuntergang und vor Schließung der Tore erreicht zu haben, denn schließlich haben wir unsere erste Übernachtung in Okaukuejo gebucht und bereits bezahlt.

Inzwischen macht sich auch bei uns der Hunger breit. Im Camp angekommen, melden wir uns bei der Rezeption an und erhalten unsere Zimmerschlüssel. Die Bungalows sind traumhaft schön und übertreffen bei weitem unsere Erwartungen. Jetzt ist nach den Strapazen der Fahrt erst einmal ein kühles Bier fällig!

Wir erfuhren, dass es heute Abend ein Buffet geben wird und wir uns hierzu anmelden müssen. Die Auswahl ist nicht groß: Entweder Kekse aus dem Camplädchen oder Buffet. Natürlich melden wir uns an.

Das Buffet wurde bereits früh eröffnet, entsprach absolut nicht unseren Erwartungen, aber der Hunger wurde gestillt. Dafür ist die Anlage insgesamt sehr schön und wir beobachteten noch eine Weile die Wasserstelle. Viele Tiere verirrten sich nicht dorthin, aber wozu auch: Wasser gibt es momentan überall!

Tag 2:
Nach einem ausgiebigen Frühstück packten wir unsere Sachen, beluden den Hilux und starteten unsere Safari. Springböcke so weit das Auge reicht. Aber ich möchte Elefanten sehen. Es ist ja noch früh am Tag.

Viele Wege im Nationalpark sind gesperrt, leider insbesondere solche Wege, die spannender aussehen als andere. Wir sind in einen dieser Wege hinein gefahren, weil es zunächst schien, dass hier die Sperrung aufgehoben war. Offensichtlich waren wir auch nicht die ersten, die das so interpretierte. Der Weg fing mit einigen Pfützen relativ harmlos an, doch entpuppte sich im Verlauf als gigantischen Schlammloch. Wir hatten die Zeichen sicherlich doch falsch interpretiert. Aber abgesehen von den Adrenalinschüben, die unsere Körper verarbeiten mussten, wenn wir mal wieder dachten „Das war’s“, hat sich der Ausflug gelohnt. Giraffen schoben sich unmittelbar an unserem Auto vorbei, Babygiraffen starrten uns neugierig an und am Ende der Schlitterpartie standen wir direkt an der gefüllten Pfanne. Eine Augenweide! Man sieht zwar bei dem Regen kaum spannende Tiere, doch eine randvoll gefüllte Etoshapfanne sieht man auch nicht alle Tage.

Für den Rest des Tages haben wir uns vorgenommen, keine weiteren Risiken einzugehen. Wir begnügen uns mit Zebras und den verschiedenen Antilopen. Außerdem werden wir uns erst einmal zu einer Safaripause nach Halali begeben, um uns dort anzumelden und unsere Zimmer zu beziehen. Ich habe sehr viel von Halali gehört und meine Erwartungen an das Camp sind hoch. Es soll dort einen besonders schönen Pool geben…

Nach Okaukuejo empfindet man Halali als Abstieg. In dem in der Mitte des Nationalparks gelegenen Camp müssen Renovierungsarbeiten schon lange zurück liegen. Die Bungalows sind mit Abstand nicht so schön wie die in Okaukuejo. Der Restaurant- und Barbereich ist überschaubar, jedoch nicht sonderlich einladend. Der Pool ist groß und quadratisch: Man könnte Bahnen schwimmen, doch es mangelt an exotischer Nationalparkatmosphäre. Nach der Pause wollen wir ohnehin wieder aufbrechen, um unsere Elefanten zu finden.

Zwischendurch regnet es immer wieder. Typisch: Die Vormittage sind sonnig und trocken und nachmittags kommt der Regen. Wir sitzen zwar im Auto, doch die Tiere haben scheinbar auch keine Lust, durch den Regen zu latschen. Zumindest nicht die Elefanten.  Vor uns stauen sich plötzlich die Touristenautos. Es wird spannend: Irgendetwas muss passiert sein, dass sich hier alle knubbeln. Aber man sieht nichts. Wir fangen allmählich an, uns über die dummen Touristen aufzuregen und setzen schon zum Überholmanöver an, da sehen wir den Grund des Verkehrschaos: Ein einsamer Löwe spaziert gemächlich durch den Regen und auch mitten durch die Blechansammlung. Dass alle Augen und Kameras auf ihn gerichtet sind, scheint ihn überhaupt gar nicht zu beeindrucken. Er lässt sich Zeit. Und wir sehen zwar noch nicht unsere Elefanten, aber dafür ein anderes Mitglied der Big Five. Nicht alle Tage lässt sich so ein Exemplar blicken. Ganz langsam entfernt sich Leo aus den Augen der Touristen, die daraufhin ihre Motoren wieder starten und die Szenerie verlassen.

Viel passierte nicht mehr. Wir sahen noch mehr Zebras, Antilopen, Strauße, Erdmännchen und vereinzelt Giraffen, doch wir konnten von unserem grandiosen Highlight zehren. Zurück im Camp befassten wir uns mit den Örtlichkeiten. Doch auch die Wasserstelle befindet sich weiter weg und die Bar öffnet erst wieder abends. Hungrig begeben wir uns ins Restaurant.

Das Essen war ok und glücklicherweise kein Buffet. Wir zählen dort auch zu den wenigen Gästen – Halali scheint auf der Beliebtheitsskala nicht sehr weit oben zu liegen. Die Mitarbeiter dachten sich offensichtlich auch, dass man bei den wenigen Gästen früher nach Hause kommt und fingen schon kurz nach acht an aufzuräumen. Nachdem wir immer noch keine Anstalten machten nach Hause zu gehen, stellte man uns vor vollendete Tatsachen : Wir könnten ja gern noch bleiben, aber sie (das Personal) ginge jetzt. Wir erklärten, dass das alles kein Problem sei, wenn wir noch ausreichend Getränke bekämen. Der Deal stand.

Tag 3:
Die Nacht war nicht so gemütlich wie die Nacht zuvor, die Moskitonetze waren eher bescheiden und man hatte mit allerhand Viehzeugs zu kämpfen. Heute morgen geht nun das Spiel wieder von vorne los: Frühstücken, packen, ins Auto laden und abfahren. Wir werden es langsam angehen lassen.

Auch heute sind Zebras und Antilopen unterwegs. Wir haben jedoch Büffel gesehen – wieder eine Kategorie der Big Five abgedeckt. Nur die Elefanten wollen sich immer noch nicht zeigen!

Sind im Camp Namutoni angekommen und sind begeistert. Wir fragen uns, warum wir die letzte Nacht nicht hier verbracht haben. Der Innenhof der alten Festung ist mediterran mit Cafés und kleinen Souvenirläden belebt. Bäume spenden Schatten. Wir sitzen unter einem der Bäume, trinken Café und lassen uns von der entspannten Atmosphäre mitreißen. Leider müssen wir weiter, denn wir wollen heute noch im Camp am Waterberg ankommen, und dazu müssen wir noch einige Kilometer zurücklegen.

Wir haben Etosha durch das nordöstliche Tor verlassen und legen gerade unsere erste Pause in Tsumeb ein. Wir haben Hunger, müssen jedoch leider feststellen, dass alle Restaurants erst abends öffnen. Es gibt nicht einmal eine triviale Fressbude hier. Auch Menschen sind kaum unterwegs, die Straßen wirken relativ unbelebt.

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