Waterberg

Tsumeb NamibiaWir haben den Etosha Nationalpark durch das nordöstliche Tor verlassen und legen gerade unsere erste Pause in Tsumeb ein. Wir sind alle sehr hungrig, müssen jedoch leider feststellen, dass alle Restaurants in dieser Stadt erst abends öffnen. Es gibt nicht einmal eine triviale Fressbude hier. Auch Menschen sind kaum unterwegs, die Straßen wirken relativ unbelebt. Okay, dann tanken wir eben nur, holen ein paar Snacks und fahren weiter. Schade!

Der Himmel ist bedrohlich dunkelgrau bis schwarz und in Fahrtrichtung sieht es eher bedenklicher aus. Von jetzt auf gleich prasselt der Regen auf die Windschutzscheibe und bedeckt die Fahrbahn. Es gießt in Strömen und die Scheibenwischer schaffen selbst auf höchster Stufe kaum freie Sicht. Unsere Reisegeschwindigkeit sinkt kritisch und wir fragen uns, ob wir es noch schaffen werden, im Hellen dort anzukommen.

Endlich kommt die Abzweigung Richtung Okakarara. Noch einige Kilometer auf der Teerstraße, dann folgt bereits die nächste Abzweigung zum Waterberg: Eine C-Straße, doch da die Erde hier sehr tonhaltig ist, hat sich die Straße in ein rotes Schlammbecken verwandelt. Das Fahrvergnügen ähnelt dem Fahren auf einer vereisten Landstraße. Unsere Reisegeschwindigkeit sinkt erneut.

Schlammstrasse nach WaterbergDie Straße hat schon sehr an unserem Nervenkostüm gerüttelt. Einmal ist unser Hilux derart ins Schleudern geraten, dass wir in Zeitlupe einen Ausflug zum äußersten rechten Fahrbahnrand machten, dem sich ein weiterer zum äußersten linken Fahrbahnrand anschloss. Es war schon spektakulär und in diesen endlosen Sekunden glaubte keiner von uns mehr daran, dass wir heute noch das Camp am Waterberg erreichen werden. Sehr viel Adrenalin sorgte jedoch für vier sehr wache Reisende.

Wir konnten es kaum glauben: Da! Wir hatten bereits in Swakopmund zwei Bungalows über den NWR (Namibian Wildlife Resort) gebucht. Glücklich nahmen wir die Schlüssel entgegen und brachten unsere Klamotten erst einmal in die Bungalows. Dann bewegten wir uns schleunigst Richtung Restaurant. Der Hunger trieb uns.

Das Restaurant befindet sich in einem Gebäude aus der Kolonialzeit und diente damals als Versammlungsort der deutschen Truppen. Von hier aus soll unter anderem die Schlacht am Waterberg koordiniert worden sein, bei der die deutschen Truppen einen Völkermord an den Herero verübten und den Stamm auf übelste Weise annähernd vollständig ermordete.

Restaurant Waterberg NamibiaDas Gebäude, das nun durch den NWR bewirtschaftet und gepflegt wird, ist ein durchaus beeindruckendes Relikt der deutschen Kolonialmacht. Aber auch das Essen des NWR geleiteten Restaurants ist sehr gut. Ein umfangreiches Angebot verschiedener Wildarten ziert die Speisekarte und all das wird hervorragend zubereitet serviert. Der Tag der kulinarischen Abstinenz wird hier belohnt.

Natürlich ist es derweil bereits dunkel geworden. Wir marschieren gut gesättigt zurück zu unseren Bungalows. Auch wenn die Häuschen von außen betrachtet recht niedlich erscheinen, so wäre doch eine Überarbeitung der Inneneinrichtung an der Zeit.

Vor den Häusern tummeln sich Impalas. Ein Impala sieht aus wie ein Minispringbock und hier, am Waterberg, scheinen diese Tiere ganz und gar nicht scheu zu sein – sie ignorieren eher die Touristen, die sich mit ihren Fotoapparaten auf sie stürzen. Auch das Blitzlichtgewitter in der Dunkelheit scheint sie wenig zu beeindrucken.

Vor dem Hintergrund, dass wir uns vorgenommen haben, sehr, sehr früh aufzustehen und durch den anstrengenden Tag sehr kaputt sind, fallen wir erschöpft in unsere Betten.

Wir sind tatsächlich vor Sonnenaufgang aufgestanden und kämpften uns schlaftrunken zum Frühstück. Kaffee und morgendlicher Fußweg taten das Übrige: Wir sind ausreichend vorbereitet für unsere Tour auf den Waterberg.

Waterberg Namibia FelsenDie Abzweigung zum Wanderpfad war nicht so einfach zu finden, wie wir uns das gedacht haben. Nach einem Fehlversuch erreichten wir den richtigen Pfad. Es fing relativ harmlos an und die Steigung war zunächst überschaubar. Ganz allmählich entwickelte sich der Trampelpfad zum Offroad Kletterspektakel. Erst lag lediglich ein Baumstumpf im Weg, den es zu überwinden galt, dann ging es zwischen Baumwurzeln und Sträuchern bergauf und bergab, so dass wir zwischenzeitlich zweifelten, ob wir noch richtig waren. Der Ausblick wurde jedoch immer fantastischer, was wir als eindeutiges Zeichen deuten dürften, auf dem Weg nach oben zu sein. Plötzlich wurde der Pfad steiniger, felsiger und entwickelte sich zu einem kleinen Bergsteigeridyll. Nicht mehr wandern, sondern klettern stand nun auf der Tagesordnung. Die Höhenabstände zu den folgenden Felsblöcken wurden zunehmend spektakulärer.

Ich bin mir rückblickend wirklich nicht mehr ganz sicher, ob es vielleicht doch einen einfacheren Weg gegeben hätte, denn dieser setzt eindeutig sportliche Ambitionen voraus – mit einem Meniskusschaden könnte es durchaus problematisch werden.

Ausblick Waterberg NamibiaSo kamen auch nicht alle Teilnehmer unserer Gruppe in den Genuss, ganz oben vom Waterberg aus die Umgebung überblicken zu dürfen. Die letzten Höhenmeter forderten in der Tat eine sportliche,kräftige Kondition und ließen keinen Platz für Höhenangst. Wir haben auch anschließend noch wild spekuliert, wo denn wohl dieser Weg-auf-den-Waterberg-light liegen könne.

Zurück an der Basis packten wir unsere Sachen und luden alles ins Auto, um uns zum folgenden Reiseziel zu begeben. Wir hoffen inständig, dass die Straße auf dem Rückweg weniger matschig sein wird, als sie es noch auf dem Hinweg war. Die Hoffnung ist allerdings nicht allzu hoch.

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