Erindi

Erindi AbfahrtZum Abschluss unserer Rundreise durch den Norden Namibias wollen wir etwas Luxus genießen und haben uns für zwei Tage in Erindi eingebucht. Da wir ausschließlich Positives über diese Lodge gehört und gelesen haben, sind unsere Erwartungen sehr hoch. Auch der Preisfaktor unterstützt durchaus die Erwartungshaltung. Absichtlich haben wir die Luxusunterkunft ans Ende unserer Safari platziert, um nicht von unseren anderen Unterkünften enttäuscht zu sein, denn eine Umstellung auf schlichtere Verhältnisse ist doch schwerer zu ertragen als der umgekehrte Fall. So führt uns unsere Reise Richtung Highlight auf die verschlammten Straßen nach Erindi.

In Kilometern betrachtet ist der Weg vom Waterberg bis Erindi nicht weit. Wir sind auch frühzeitig aufgebrochen, um schon zum Mittagessen dort zu sein. Doch auch dieses Mal machen uns die Straßenverhältnisse einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Vom Waterberg bis zur Asphaltstraße geht es verhältnismäßig zügig. Der Vormittag war trocken, daher scheint die Straße nun wesentlich befahrbarer zu sein als bei unserer Ankunft. Doch von der asphaltierten Straße aus müssen wir noch einige Kilometer Piste zurücklegen, um unser ersehntes Paradies zu erreichen.

Es ist eine Katastrophe! Schlimmer als der Hinweg zum Waterberg! Unvorstellbar! Jedenfalls können wir uns gar nicht vorstellen, dass heute noch irgendwelche anderen Gäste in Erindi auftauchen werden. Die Matschpiste lässt lediglich eine maximale Geschwindigkeit von 20km/h zu – da können 50 Kilometer schon äußerst langwierig werden. Unser Hilux schlittert durch den roten Lehmboden, der weiße Lack ist kaum noch erkennbar. Das ist echtes Offroad-Feeling, doch heute hätte mit Sicherheit jeder von uns darauf verzichten können. Es reicht!

Wir glauben es kaum! NaHippoch einer gefühlten Unendlichkeit erreichen wir endlich die Pforten des Paradieses. Ein freundlicher Mitarbeiter empfängt uns gebührend und lässt unser Gepäck mit einem strahlend goldenen Kofferwagen aus unserem verdreckten Toyota holen. Natürlich gebe es auch noch Mittagessen für uns!

Das Hauptgebäude der Lodge, in dem sich auch die Rezeption, die Lobby und das Restaurant befinden, gleicht einer Halbinsel. Die eine Seite bietet Zugang von den Bungalows aus, die andere Seite ist durch eine groß angelegte Wasserstelle begrenzt, in der sich eine Flusspferdemama mit ihrem Baby, ein paar Krokodile und eine Vielzahl anderer Tiere tummeln. Wow! Was für ein Naturschauspiel!

Das Buffet hebt sich ebenfalls eindeutig vom herkömmlichen Verständnis eines Buffets ab: Dies betrifft nicht nur Qualität und Quantität, sondern auch eine anspruchsvolle Präsentation und Darreichung. Wir haben Hunger, genießen das Essen, den Wein und den Ausblick.

Bevor wir uns zu unseren Bungalows begeben, buchen wir einen Game-Drive, das ist eine durch einen geschulten Reiseführer geleitete Fahrt durch den privaten Wildpark. Die Jeeps sind offen und bieten für die Mitfahrer eine erhöhte Sitzposition, um die Tiere besser beobachten zu können.

Die Bungalows sind traumhaft! Jeder Bungalow ist stilvoll eingerichtet verfügt über eine eigene Terrasse.Erindi Signal Tracking

Zur geplanten Abfahrtzeit treffen wir uns wieder an der Rezeption. Ben, unserer Fahrer und Reiseführer, empfängt uns freundlich und führt uns zum Fahrzeug. Mit uns wird umfangreiches Picknick-Equipment in den Jeep geladen. Das sieht vielversprechend aus!

Natürlich sind nur wir mit Ben – oder Ben mit uns? – unterwegs. Es wird auf Diskretion geachtet. Ben möchte wissen, welche Tiere wir bevorzugt sehen wollen. Wir geben Elefanten in Auftrag, denn die anderen der Big Five sind uns bereits in Etosha begegnet. Jeder Touristenführer hat ein Funkgerät und ein Ortungsgerät dabei, mit dem er Signale der Tiere empfängt. Offensichtlich sind die Tiere markiert und strahlen unterschiedliche Signale aus. Wir verfolgen das Elefantensignal.

Die Mission scheint nicht so einfach zu sein, wie man es eingangs hätte erwarten können. Die ersten Spuren der Dickhäuter durften wir schon bestaunen: Riesige Fußspuren und gigantische Haufen. Sie müssen hier gewesen sein! Ben erklärt uns das Verhalten der Elefanten und dass es nicht ganz einfach sei, sie tatsächlich zu Gesicht zu bekommen. Inmitten des Elefantenverfolgungsrausches überquert ein Nashorn in aller Seelenruhe den Weg und gibt sich einer kleinen Fresspause hin. Eigentlich direkt neben unserem Jeep.

NashornHaben wir in Etosha überhaupt ein Nashorn gesehen? Auch Ben scheint sich über die willkommene Abwechselung zu freuen. Offensichtlich hatte er bereits bedenken, uns gar nicht mehr bieten zu können und uns unverrichteter Dinge zurück bringen zu müssen. Das Nashorn frisst sich gemütlich weiter durch das Steppengras. Ben schlägt vor, die Verfolgung aufzunehmen, um noch ein paar coole Fotos machen zu können. Klar, den Vorschlag nehmen wir gerne an!

Im Eifer des Gefechts schien Ben wohl den Regen der vergangenen Tage vergessen zu haben. Wir waren keine zehn Meter in die Pampas gefahren, da sackten die Räder unseres Jeeps gefährlich in den Morast ab. Was aussah wie grasbewachsener, fester Untergrund entpuppte sich als grasbewachsener Matsch. Das Nashorn setzte seine Mission ohne uns fort. Wir machten noch Fotos von seinem gigantischen Hinterteil, bevor es hinter den Büschen verschwand. Ben hatte bereits ausgiebig den Rückwärtsgang getestet, es rauchte fürchterlich und die Vorderreifen haben sich nun richtig gut eingegraben.

Das ist die beste Gelegenheit, das Picknick in Angriff zu nehmen. Offensichtlich wird die Situation ohnehin höheren Einsatz erfordern.

Nachdem Ben alle Tricks mit Fußmatten und Schaufeln versucht hat, um den Wagen aus dem Schlamm zu ziehen, verlassen wir alle den Jeep – obwohl es eigentlich ja verboten ist. BeSchlamm Erindi Namibian versichert uns, dass nichts passieren wird. Die Jungs versuchen, den Jeep anzuheben, während Ben den Super-4wheel- Befreiungs-Rückwärtsgang betätigt. Es fliegen Unmengen an Matsch, doch Ergebnisse zeigen sich nur kurzfristig und vorübergehend. Das Fahrzeug bewegt sich keinen Millimeter von der Stelle.

Auch Ben scheint zu kapitulieren. Er greift zum Funkgerät. Offensichtlich ist dies die allerletzte Methode, die ein Tourguide zur Rettung aus einer derartig verzwickten Situation in Anspruch nimmt. Als die Helfer eintreffen, wissen wir auch warum. Bevor sie überhaupt irgendwelche Anstalten unternehmen, uns samt Auto aus dem Schlamm zu ziehen, holen sie zu einer ausgiebigen Verspottungsschlacht aus. Eins ist klar: Ben wird keinen leichten Feierabend genießen dürfen. Er tut uns jetzt schon Leid!

Anschließend befinden wir uns innerhalb weniger Sekunden wieder auf festem Untergrund und können die Tour fortsetzen. Wir teilen Ben mit, dass sich die Geschichte mit den Elefanten für heute erledigt hat. Überhaupt haben wir uns wohl viel zu sehr auf diese Tiere fixiert…

Zurück in der Lodge genießen wir den Ausklang eines ereignisreichen Tages. Es ist so ruhig hier – alles scheint in Harmonie zu sein. Auch das Abendessen ist hervorragend und wir genießen bei einer Flasche Wein den Ausblick von unserer Terrasse.

Die Nacht war sehr heiß und unser Zimmer leider nicht ganz moskitofrei. Der Service hält zwar alles ErdenklicheWilddog Erindi Namibia zur Moskitobekämpfung bereit, aber ein Moskitonetz ums Bett wäre sicherlich hilfreich gewesen. Das Ambiente beim Frühstück entschädigt jedoch schnell für die nächtlichen Moskitoplagen.

Wir haben für heute Vormittag einen weiteren Game-Drive gebucht und werden von Ben an der Rezeption abgeholt. Heute will er uns die wilden Hunde – Wild Dogs- und die Geparden – Cheetahs – zeigen. Die wilden Hunde sind vom Aussterben bedroht. Zu allem Überfluss wurde eine Gruppe von Hunden von einem einschlagenden Blitz getroffen. Viele Hunde waren sofort tot, die wenigen, die überlebten, werden hier in einem überwachten Quartier wieder auf das Leben in freier Natur vorbereitet.

Im Gegensatz zu den Elefanten müssen wir die wilden Hunde nicht lange suchen und kommen an einige sogar recht nah heran. Grundsätzlich sind die Hunde im Vergleich zu unserem domestizierten Haushund sehr scheu.

Auf dem Rückweg zeigt uns Ben noch ein Gepardenpaar, das auf einer separaten, eingezäunten Station lebt. Cheetah - Gepard Erindi NamibiaDie Geparden sollen ebenfalls im Erindi Wildpark angesiedelt werden und man hofft, dass auch sie sich dort vermehren werden. Der Gepard zählt ebenfalls zu den bedrohten Tierarten, daher lässt man ihm in Namibia auch durch eigens gegründete Organisationen einen besonderen Schutz angedeihen.

Der morgendliche Ausflug in die Wildnis war zwar weniger spektakulär als unser gestriger, dafür jedoch sehr anschaulich und informativ. Zurück im Camp wird unser Gepäck ins Auto geladen. Nach einer kleinen Stärkung verlassen wir unser Wildnisparadies wieder und bahnen uns im Kampf mit den im Matsch ertrinkenden Straßen den Weg zurück nach Windhoek.

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